Einheiten ansehenAussetzen und Führen von Überlebensfahrzeugen und Bereitschaftsbooten (STCW A-VI/2-1)
Davits, Bootsläufer und Windenbremse
1Die Lektion in einfachen Worten
Bei Schwerkraftdavits senkt das Eigengewicht das Boot ab. Du regelst das Fieren mit einer Bremse: Lässt du los, stoppt das Boot.
Schwerkraftdavits
Die meisten Rettungsboote hängen in Schwerkraftdavits: Lüftest du die Bremse, schwenkt das Bootsgewicht die Davitarme aus und senkt das Boot ohne Antrieb ab. Die Bootsläufer, drehungsarme Stahldrahtseile von der Windentrommel über die Davitköpfe, tragen das Boot an zwei Haken. Bereitschaftsboote und mit Davits aussetzbare Rettungsflöße hängen meist an einem Haken eines Einarmdavits, eines kleinen Krans.
Die Windenbremse
Die Totmannbremse greift automatisch, wenn du das Bedienelement nicht in der Fierstellung hältst. Fieren bedeutet kontrolliertes Absenken. Lässt du los, stoppt das Boot (Internationaler Rettungsmittel-Code, LSA-Code 6.1.2.12). Eine Person kann die Bremse vom Deck oder über einen Fernbedienungsdraht aus dem Boot bedienen. Ein Fliehkraftregler, ein automatischer Geschwindigkeitsbegrenzer, verhindert zu schnelles Fieren. LSA-Code 6.1.2.10 verlangt einen Geschwindigkeitsbegrenzer, schreibt aber diese Bauart nicht vor.
Fiergeschwindigkeit
Berechne mit S = 0,4 + 0,02H Metern pro Sekunde den Mindestwert für das voll beladene Boot. H ist der senkrechte Abstand in Metern vom Davitkopf zur Wasserlinie beim leichtesten für eine Seereise zulässigen Beladungszustand. Für ab 1. Januar 2026 eingebaute Vorrichtungen gilt als Mindestwert der kleinere Wert aus S und 1,0 m/s. Ihr Höchstwert ist 1,3 m/s, sofern die Flaggenstaatbehörde keinen anderen genehmigt.
Hieven
Eine angetriebene Winde hievt, also hebt, das Boot. Ein Handantrieb dient als Ersatz. Endschalter stoppen das motorische Hieven, bevor die Davitarme ihre Anschläge erreichen.
Seefest gesichert
Auf See liegt das Boot in seiner Auflage, gehalten durch Bootszurrungen, Befestigungen mit Schnelllösevorrichtung. Sicherungsbolzen blockieren die Davitarme im Hafen und bei Wartungsarbeiten. Vor jedem Aussetzen entfernst du die Bolzen und löst die Zurrungen. Sonst kann sich der Davit nicht bewegen.
Heranholen und Beihalten
Steigst du auf dem Einbootungsdeck ein, befestige vor dem Fieren die Beiholer (tricing pendants) gemäß Handbuch. Diese Seile ziehen das Boot beim Absenken zur Bordwand. Bringe Beiholtaljen (bowsing tackles), Flaschenzüge aus Leinen und Rollen, an, um es dort zu halten. Übertrage die seitliche Haltekraft und löse die entlasteten Beiholer vor dem Einsteigen in der Herstellerreihenfolge. Die Bootsläufer tragen weiterhin das Gewicht. Fiere die Beiholtaljen kontrolliert, bevor du weiter absenkst. Für Boote mit Einstieg in der Staustellung gilt ein eigener Ablauf.
2Wichtige Daten
- Bremse
- Greift immer, solange die Bedienperson sie nicht gelöst hält
- Mindestfiergeschwindigkeit
- Ab 2026: Minimum = kleinerer Wert aus (0,4 + 0,02H) und 1,0 m/s
- Höchstfiergeschwindigkeit
- Neue Einbauten ab 2026: 1,3 m/s, sofern der Flaggenstaat nichts anderes genehmigt
- Bereitschaftsboot hieven
- Motorwinde: mindestens 0,3 m/s mit allen zugewiesenen Personen und gesamter Ausrüstung
- Bedienung beim Aussetzen
- Eine Person, vom Deck oder aus dem Boot
3Kernpunkte
- 1
Schwerkraftdavits senken das Boot durch sein Eigengewicht; die Bootsläufer tragen es an den Haken.
- 2
Die Windenbremse ist eine Totmannbremse: Loslassen stoppt das Boot.
- 3
Minimum S = 0,4 + 0,02H m/s. Einbauten ab 2026: Mindestwert auf 1,0 m/s begrenzt; maximal 1,3 m/s, sofern der Flaggenstaat nichts anderes genehmigt.
- 4
Vor dem Aussetzen Sicherungsbolzen entfernen und Bootszurrungen lösen; Beiholer ziehen heran, Beiholtaljen halten.
4Häufige Fehler
Falsch: Binde den Bremshebel hoch, damit sich das Boot selbst absenkt.
Richtig: Setze die Totmannbremse nie außer Kraft. Jemand muss sie gelöst halten und jederzeit loslassen können.
Falsch: Löse die Beiholtaljen schlagartig, sobald alle an Bord sind.
Richtig: Fiere sie vorsichtig, damit das Boot kontrolliert von der Bordwand wegschwenkt.
Falsch: Beginne zum Bremsentest mit dem Fieren, während die Sicherungsbolzen noch stecken.
Richtig: Bolzen und Zurrungen müssen frei sein, bevor sich der Davit bewegt. Halte den Aussetzablauf ein.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Bei einer Übung schwenkt das Boot aus und stoppt am Einbootungsdeck. Es hängt 1 m von der Bordwand entfernt. Die Besatzung wartet auf den Einstieg.
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Stoppe den Einstieg. Ziehe nicht improvisiert an den Beiholern. Nutze die Herstellervorrichtung, um das Boot heranzuholen und an der Bordwand zu halten. Die Bootsläufer tragen sein Gewicht. Sichere die Beiholtaljen und löse die entlasteten Beiholer wie vorgeschrieben. Erst bei sicher gehaltenem Boot einsteigen; vor dem Fieren die Taljen kontrolliert nachlassen.
Prüfungstipps
- Schwerkraftdavits: Das Eigengewicht schwenkt die Davitarme aus und senkt das Boot ab; Bootsläufer tragen es an den Haken.
- Totmannbremse (LSA 6.1.2.12): greift, wenn sie nicht gelöst gehalten wird. Eine Person kann das Boot vom Deck oder aus dem Boot heraus aussetzen.
- Minimum S = 0,4 + 0,02H m/s. Einbauten ab 2026: Mindestwert auf 1,0 m/s begrenzt; maximal 1,3 m/s, sofern der Flaggenstaat nichts anderes genehmigt.
- Bootszurrungen und Sicherungsbolzen sichern das Boot; Beiholer ziehen heran, Beiholtaljen halten.
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