Unterkühlung erkennen und versorgen
1Die Lektion in einfachen Worten
Berge waagerecht und vorsichtig. Prüfe Reaktion und Atmung, rufe Hilfe und beginne bei Bedarf die Wiederbelebung. Dann schütze vor Wetter, isoliere und wärme langsam auf.
Unterkühlung erkennen
Unterkühlung kann nach einem Aufenthalt im Wasser auftreten, aber auch nach Stunden auf einem kalten, nassen Deck oder in einer Rettungsinsel. Bei leichter Unterkühlung zittert die Person, ist blass, kalt und ungeschickt, spricht langsam und trifft schlechte Entscheidungen. Bei schwerer Unterkühlung kann das Zittern aufhören. Die Person wird verwirrt, schläfrig und schließlich bewusstlos. Atmung und Puls sind langsam und schwach.
Reaktion und Atmung prüfen
Prüfe sofort nach der Bergung die Reaktion, öffne die Atemwege und kontrolliere die Atmung. Schicke jemanden los, um Rettungskräfte zu alarmieren. Bei einer nicht ansprechbaren, schwer unterkühlten Person kann die Atmung extrem langsam sein. Prüfe sie sorgfältig bis zu einer Minute lang. Ist die Person nicht ansprechbar und atmet nicht normal, beginne die HLW (Herz-Lungen-Wiederbelebung), bevor du sie schützt oder einpackst. Prüfe die Atmung weiter, bis Hilfe eintrifft. Unterkühlte können auch lange Wiederbelebungen überleben. Setze die HLW fort, bis professionelle Rettungskräfte übernehmen.
Waagerecht und vorsichtig
Ein unterkühltes Herz reagiert empfindlich. Hebe die Person möglichst waagerecht aus dem Wasser, mit einer Bergeschlinge oder zu zweit. Halte sie an Bord im Liegen. Lass sie nicht stehen, gehen oder klettern. Bewege sie vorsichtig, reibe ihre Haut nicht und lass sie sich nicht körperlich anstrengen.
Schützen und isolieren
Schütze die Person vor Wind und Gischt. Ziehe nasse Kleidung vorsichtig aus, schneide sie bei Bedarf auf. Geht das nicht, umhülle die nasse Kleidung mit einer Dampfsperre aus Kunststoff, bevor du trockene Isolierung auflegst. Halte das Gesicht frei. Nutze trockene Decken oder einen Schlafsack, eine Mütze und Isolierung unter dem Körper. Ergänze eine winddichte Außenschicht, etwa einen Kälteschutzsack, einen großen Schutzsack. Eine Dampfsperre verringert Verdunstung und verhindert, dass nasse Kleidung die trockene Isolierung durchnässt.
Langsam aufwärmen
Lege eingewickelte Wärmepackungen oder Wärmflaschen auf Brust, Achseln und Rücken, nie direkt auf die Haut. Eine wache Person, die schlucken kann, darf warme, süße Getränke bekommen. Kein Alkohol: Er erhöht den Wärmeverlust. Stelle eine schwer unterkühlte Person nicht unter eine heiße Dusche. Das Aufwärmen dauert Stunden. Ärztlicher Rat bleibt nötig.
2Schritt für Schritt
Eine unterkühlte Person versorgen
- 1
Berge waagerecht. Prüfe sofort die Reaktion, öffne die Atemwege und kontrolliere die Atmung. Lass jemanden Rettungskräfte alarmieren. Beginne die HLW, wenn die Person nicht ansprechbar ist und nicht normal atmet.
Bei einer nicht ansprechbaren, schwer unterkühlten Person kann die Atmung extrem langsam sein. Prüfe sorgfältig bis zu einer Minute lang. Prüfung und HLW kommen vor Wetterschutz und Einpacken.
- 2
Halte die Person im Liegen und bewege sie vorsichtig. Lass sie nicht gehen und reibe sie nicht ab.
Grobe Bewegungen oder Anstrengung können gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen.
- 3
Schütze vor Wind und Gischt. Entferne nasse Kleidung vorsichtig. Geht das nicht, umschließe sie mit einer Kunststoff-Dampfsperre, bevor du trockene Isolierung auflegst. Das Gesicht bleibt frei.
Wind und nasse Kleidung entziehen weiter Wärme. Die Dampfsperre verringert Verdunstung und schützt die trockene Isolierung vor Durchnässung.
- 4
Nutze trockene Isolierung, eine Mütze und Isolierung unter dem Körper. Ergänze eine winddichte Außenschicht. Halte das Gesicht frei.
Trockene Isolierung bremst die Auskühlung von allen Seiten. Die Außenschicht schützt sie vor Wind und Gischt.
- 5
Wärme den Rumpf, also Brust, Rücken und Bauch, mit eingewickelten Wärmepackungen auf. Warme, süße Getränke nur bei vollem Bewusstsein und sicherem Schlucken.
Langsames Aufwärmen der Körpermitte ist am sichersten. Eine schläfrige Person kann sich verschlucken.
- 6
Überwache Reaktion und Atmung weiter, bis Hilfe eintrifft. Beginne die HLW, wenn die Person nicht mehr ansprechbar ist und nicht mehr normal atmet.
Der Zustand einer unterkühlten Person kann sich nach der Rettung verschlechtern, auch während des Aufwärmens.
3Wichtige Daten
- Leicht
- Zittern, Ungeschicklichkeit, undeutliches Sprechen, schlechte Entscheidungen
- Schwer
- Verwirrt, schläfrig oder bewusstlos; das Zittern kann aufhören
- Heben und Bewegen
- Waagerecht und vorsichtig; nicht gehen lassen
- Wärmepackungen
- Eingewickelt auf Brust, Achseln und Rücken
- Atmung prüfen
- Nicht ansprechbar und schwer unterkühlt: bis zu 1 Minute
4Kernpunkte
- 1
Waagerecht heben, im Liegen halten, vorsichtig bewegen.
- 2
Nasse Kleidung ausziehen oder in Kunststoff hüllen; dann trocken isolieren, Mütze, Unterlage und winddichte Außenschicht.
- 3
Rumpf langsam aufwärmen. Warme, süße Getränke nur bei vollem Bewusstsein. Kein Alkohol.
- 4
Haut nicht reiben. Schwer Unterkühlte nicht heiß duschen.
- 5
Sofort Reaktion und Atmung prüfen, Hilfe rufen. Bei fehlender Reaktion und nicht normaler Atmung HLW beginnen.
5Häufige Fehler
Falsch: Lass das gerettete Crewmitglied die Leiter hochklettern und zum Aufwärmen unter Deck gehen.
Richtig: Halte Unterkühlte waagerecht und ruhig. Anstrengung und Aufstehen können das Herz zum Stillstand bringen.
Falsch: Gib ihm einen Schluck Rum zum Aufwärmen.
Richtig: Alkohol erhöht den Wärmeverlust. Gib nur bei vollem Bewusstsein ein warmes, süßes Getränk.
Falsch: Reibe Arme und Beine kräftig, um die Durchblutung anzuregen.
Richtig: Reiben wärmt den Körperkern nicht und kann Herzprobleme auslösen. Isoliere die Person und wärme ihren Rumpf.
6Praxisfall & Prüfungstipps
Du bergst ein Crewmitglied nach 40 Minuten in 12 °C kaltem Wasser. Er zittert nicht mehr, nuschelt und beantwortet Fragen nicht richtig. Er atmet.
Antwort zeigen
Vermute schwere Unterkühlung. Prüfe sofort Reaktion und Atmung. Lass jemanden Rettungskräfte alarmieren. Halte ihn flach liegend und bewege ihn vorsichtig. Schütze ihn vor Wetter, entferne nasse Kleidung oder hülle sie in Kunststoff. Ergänze trockene Decken, Mütze, Isolierung darunter und eine winddichte Außenschicht. Lege eingewickelte Wärmepackungen auf Brust und Achseln. Nichts zu trinken geben. Überwache die Atmung. Beginne die HLW, wenn er nicht mehr ansprechbar ist und nicht mehr normal atmet.
Prüfungstipps
- Leichte Unterkühlung: Zittern. Bei schwerer kann es aufhören; Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit sind möglich.
- Waagerechte Bergung und vorsichtiges Bewegen senken die Kollapsgefahr.
- Wetterschutz; nasse Kleidung ausziehen oder in Kunststoff hüllen, dann trockene Isolierung und Windschutz. Rumpf aufwärmen.
- Kein Alkohol, kein Reiben. Bei fehlender Reaktion und nicht normaler Atmung HLW beginnen.
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