Was kaltes Wasser mit deinem Körper macht
1Die Lektion in einfachen Worten
Kaltes Wasser kann Luftschnappen und den Verlust deiner Schwimmkraft auslösen, bevor du unterkühlst. Trage eine Rettungsweste und kenne die vier Phasen.
Kaltes Wasser
Wasser unter etwa 15 °C kann einen Kälteschock auslösen. Wasser kühlt dich viel schneller aus als Luft. Viele Todesfälle in kaltem Wasser treten vor einer Unterkühlung auf: Kälteschock oder Schwimmversagen können zum Ertrinken führen.
Phase 1: Kälteschock
In der ersten Minute löst die plötzliche Kälte auf der Haut einen Kälteschock aus: Du schnappst unwillkürlich tief nach Luft und atmest dann schnell und unkontrolliert. Ist dein Kopf dabei unter Wasser oder trifft eine Welle dein Gesicht, atmest du Wasser ein. Puls und Blutdruck steigen sprunghaft an. Das kann Herzprobleme auslösen. Der Kälteschock klingt nach etwa 60 bis 90 Sekunden ab.
Phase 2: Schwimmversagen
In den nächsten Minuten schwächt die Kälte Muskeln und Nerven. Deine Griffkraft und Schwimmzüge lassen nach. Das ist Schwimmversagen: Selbst gute Schwimmer können bald weder schwimmen noch eine Leiter hochklettern. Sobald du deine Atmung kontrollierst, bring dich in unmittelbarer Nähe in Sicherheit oder suche eine Auftriebshilfe. Trage deine Rettungsweste schon, bevor du ins Wasser fallen könntest. Verlasse dich nicht darauf, sie im Wasser anzulegen.
Phase 3 und 4: Unterkühlung und Kollaps
Unterkühlung bedeutet, dass die Körperkerntemperatur unter 35 °C gesunken ist. In kaltem Wasser dauert das meist 30 Minuten oder länger, je nach Wassertemperatur, Kleidung und Körpergröße. Ein Bergungskollaps kann während oder kurz nach der Rettung auftreten: Wird eine ausgekühlte Person aufrecht herausgehoben oder muss sie selbst klettern, kann der Blutdruck abfallen und das Herz stehen bleiben.
Die 1-10-1-Regel
Professor Gordon Giesbrecht fasst es als 1-10-1 zusammen: etwa 1 Minute, um die Atmung zu kontrollieren, etwa 10 Minuten für sinnvolle Bewegungen und etwa 1 Stunde bis zur Bewusstlosigkeit durch Unterkühlung. Das sind grobe Richtwerte. Sie hängen vom Wasser und der Person ab. Eine richtig getragene Rettungsweste hält dich über Wasser. Ein Schrittgurt verhindert ihr Hochrutschen. Eine Spritzschutzhaube, ein Schutz gegen Gischt, verringert Spritzwasser im Gesicht.
2Wichtige Daten
- Kaltes Wasser
- Unter etwa 15 °C
- Kälteschock
- Erste Minute; klingt nach etwa 60–90 Sekunden ab
- Schwimmversagen
- Innerhalb von Minuten möglich; Zeitpunkt unterschiedlich
- Unterkühlung
- Körperkern unter 35 °C; meist nach 30 Minuten oder länger
- 1-10-1
- 1 min Atmung, 10 min Bewegung, 1 Stunde bei Bewusstsein
3Kernpunkte
- 1
Vier Phasen: Kälteschock, Schwimmversagen, Unterkühlung, Bergungskollaps.
- 2
Beim Kälteschock schnappst du nach Luft: Halte dich an etwas in Reichweite fest oder lass dich treiben, bis du deine Atmung kontrollierst.
- 3
Sobald du deine Atmung kontrollierst, bring dich in der Nähe in Sicherheit oder suche eine Auftriebshilfe, bevor deine Kraft nachlässt.
- 4
1-10-1: 1 Minute, 10 Minuten, 1 Stunde als grobe Richtwerte.
- 5
Eine richtig getragene Rettungsweste mit Schrittgurt und Spritzschutzhaube hilft, deine Atemwege zu schützen.
4Häufige Fehler
Falsch: Im kalten Wasser ist Unterkühlung die erste Gefahr.
Richtig: Kälteschock und Schwimmversagen töten früher. Eine Unterkühlung entwickelt sich meist erst nach 30 Minuten oder länger.
Falsch: Ein guter Schwimmer kann in kaltem Wasser ans Ufer schwimmen.
Richtig: Schwimmversagen trifft selbst gute Schwimmer innerhalb von Minuten. Bleibe beim Boot oder etwas Schwimmfähigem, sofern du dich nicht ganz in der Nähe in Sicherheit bringen kannst.
5Praxisfall & Prüfungstipps
Im Mai fällt bei 13 °C Wassertemperatur ein Crewmitglied ohne Rettungsweste vom Vorschiff, während das Boot segelt. Etwa 20 m hinter dem Boot taucht er auf, schnappt nach Luft und schlägt wild um sich.
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Er hat einen Kälteschock. Wirf ihm einen Rettungsring oder eine schwimmfähige Leine zu. Ruf ihm zu, sich zurückzulehnen, treiben zu lassen und seine Atmung zu kontrollieren. Seine Arme werden in Minuten schwächer. Gib ihm jetzt etwas zum Festhalten. Beginne das Mensch-über-Bord-Verfahren. Berge ihn möglichst waagerecht, um die Gefahr eines Bergungskollapses zu verringern.
Prüfungstipps
- Kälteschock: Luftschnappen und übermäßig schnelle Atmung in der ersten Minute; Gefahr, Wasser einzuatmen.
- Schwimmversagen: Kälte schwächt Schwimm- und Griffkraft innerhalb von Minuten. Verlasse dich nicht auf feste Überlebenszeiten.
- Unterkühlung: Körperkerntemperatur unter 35 °C, meist nach 30 Minuten oder länger.
- Bergungskollaps: Ausgekühlte Personen waagerecht aus dem Wasser heben.
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