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Medizinische Erste Hilfe (STCW A-VI/4-1): Untersuchung von Verletzten, Gefahren durch giftige Stoffe (MFAG) und der medizinische Leitfaden an Bord

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Medizin an Bord≈ 3 Min. Lesezeit

Unterkühlung, Aufenthalt im Wasser und Versorgung Geretteter

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Auf Offiziersebene misst und überwachst du Unterkühlte, bestimmst den Schweregrad, vermeidest Schäden beim Wiedererwärmen und versorgst aus Seenot Gerettete.

Was hier hinzukommt

Kälteschock, das Über-Wasser-Halten nach dem Prinzip Float to Live und einfaches Wiedererwärmen behandelt Unterkühlung, Kaltwasserunfälle, Ertrinken und Hitzeschäden. Hier kommt die Körperkerntemperatur hinzu, die Temperatur tief im Körper. Nutze ein Thermometer mit niedrigem Messbereich, das für die Körperkernmessung vorgesehen ist, nach zugelassener Methode und am vorgesehenen Messort. Ein niedriger Messbereich allein genügt nicht: Hautmessungen und gewöhnliche Stirnmessungen sind bei Unterkühlten unzuverlässig. Notiere Wert, Uhrzeit und Messort. Verzögere die Versorgung nicht für eine Messung.

Schweregrade

Nach Körperkerntemperatur: leicht bei 32 bis unter 35 °C; mittelschwer bei 28 bis unter 32 °C; schwer unter 28 °C. Typische Zeichen reichen von Zittern und Ungeschicklichkeit über Verwirrtheit und schwächeres Zittern bis zu Bewusstlosigkeit mit sehr langsamem Puls und langsamer Atmung. Diese Zeichen variieren und lassen die Körperkerntemperatur nicht zuverlässig erkennen. Ist keine Messung möglich, melde dem Funkarzt Bewusstsein, Zittern und Vitalzeichen.

Schonend wiedererwärmen

Afterdrop bedeutet, dass die Körperkerntemperatur nach der Rettung weiter sinkt, wenn kaltes Blut aus den Gliedmaßen zurückströmt. Halte den Betroffenen flach, ruhig und waagerecht. Reibe keine Gliedmaßen und stelle ihn nicht unter eine heiße Dusche. Leicht: trockene Kleidung, Wärmeschutz und warme süße Getränke bei vollem Bewusstsein. Mittelschwer oder schwer: isolieren, eingewickelte Wärmepackungen an Brust, Achseln und Rücken legen und dringend funkärztlichen Rat holen. Schwere Fälle brauchen Krankenhausbehandlung; wärme behutsam weiter, während die Evakuierung organisiert wird.

Kreislaufstillstand bei Kälte

Ein kaltes Herz ist reizbar: Grobe Bewegungen können einen Kreislaufstillstand auslösen. Prüfe Atmung und Puls bei stark Unterkühlten ohne Reaktion bis zu einer Minute. Fehlen Lebenszeichen, beginne die Herz-Lungen-Wiederbelebung und nutze den AED, den automatisierten externen Defibrillator. Kälte kann das Gehirn schützen: Höre nicht allein deshalb auf, weil die Wiederbelebung schon lange dauert. Mache weiter, bis Lebenszeichen zurückkehren, Rettungskräfte übernehmen, die Fortsetzung unsicher oder unmöglich ist oder der Funkarzt zum Abbruch rät.

Aus Seenot Gerettete

Gerettete Personen aus dem Wasser oder einer Rettungsinsel können unter Unterkühlung, Flüssigkeitsmangel, Sonnenbrand, Salzwassergeschwüren, Kälteschäden an den Füßen und Verletzungen leiden oder Meerwasser eingeatmet haben. Untersuche jeden vollständig und notiere Vitalzeichen und Temperatur. Gib wachen Personen langsam Flüssigkeit zu trinken und behandle kalte Füße behutsam. Wer Wasser eingeatmet hat, braucht auch bei gutem Befinden funkärztlichen Rat. Rechne mit Schock, Trauer und Angst: Bleibe ruhig, informiere und halte zusammengehörige Menschen beisammen.

2Wichtige Daten

Thermometer
Gerät mit niedrigem Messbereich, für Körperkernmessung vorgesehen
Leicht
32 bis unter 35 °C; typisch: Zittern, wach, ungeschickt
Mittelschwer
28 bis unter 32 °C; oft verwirrt, Zittern schwach oder beendet
Schwer
Unter 28 °C; oft bewusstlos, langsamer Puls und langsame Atmung
Atemkontrolle
Bis zu 1 Minute bei stark Unterkühlten
Afterdrop
Körperkern kühlt nach Rettung weiter ab: flach, ruhig, isoliert lagern

3Kernpunkte

  1. 1

    Nutze ein Thermometer mit niedrigem Messbereich für Körperkernmessung; notiere Wert, Uhrzeit und Messort.

  2. 2

    Bestimme den Grad anhand der Körperkerntemperatur. Ohne Messung: Bewusstsein, Zittern und Vitalzeichen melden. Zeichen variieren.

  3. 3

    Bewege Betroffene behutsam und waagerecht: Grobe Bewegungen können einen Kreislaufstillstand auslösen.

  4. 4

    Brich die Wiederbelebung nicht allein wegen ihrer langen Dauer ab; beachte die üblichen Abbruchregeln und funkärztlichen Rat.

  5. 5

    Untersuche alle Geretteten vollständig; eingeatmetes Wasser erfordert immer funkärztlichen Rat.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Stelle einen kalten, schläfrigen Geretteten zum schnellen Aufwärmen unter eine heiße Dusche.

    Richtig: Schnelles Erwärmen der Haut kann den Blutdruck einbrechen lassen. Isoliere, nutze eingewickelte Wärmepackungen und hole Rat.

  • Falsch: Ein Geretteter, der nicht mehr zittert, wird wärmer.

    Richtig: Endet das Zittern bei weiter bestehender Kälte und Schläfrigkeit, kann die Unterkühlung zunehmen. Hole dringend Rat; Zeichen allein zeigen die Körperkerntemperatur nicht zuverlässig.

  • Falsch: Beende bei Unterkühlten die Wiederbelebung nach 20 Minuten.

    Richtig: Brich nicht allein wegen der langen Dauer ab; beachte die üblichen Abbruchregeln und funkärztlichen Rat.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Dein Bereitschaftsboot rettet einen Fischer, der etwa 50 Minuten in 12 °C kaltem Wasser war. Er ist schläfrig, murmelt Antworten und zittert nicht mehr. Seine Körperkerntemperatur beträgt 30 °C. Was tust du?

Antwort zeigen

Das ist eine mittelschwere Unterkühlung. Halte ihn waagerecht und ruhig: Trage ihn, lass ihn keinesfalls gehen. Schneide nasse Kleidung auf, isoliere ihn mit Decken und einer wind- und wasserdichten Hülle. Lege eingewickelte Wärmepackungen an Brust, Achseln und Rücken. Gib nichts über den Mund, da er nicht völlig wach ist. Überwache Atmung, Puls und Temperatur, halte den AED bereit und hole dringend funkärztlichen Rat. Er braucht Wiedererwärmung im Krankenhaus; eine Evakuierung ist wahrscheinlich.

Prüfungstipps

  • Grade: leicht 32 bis unter 35 °C; mittelschwer 28 bis unter 32 °C; schwer unter 28 °C. Klinische Zeichen variieren.
  • Afterdrop: flach, ruhig und isoliert lagern; nicht reiben, keine heiße Dusche.
  • Schwere Unterkühlung: Atmung bis zu 1 Minute prüfen; ohne Lebenszeichen wiederbeleben. Übliche Abbruchregeln und funkärztlichen Rat beachten.
  • Gerettete vollständig untersuchen; eingeatmetes Wasser erfordert funkärztlichen Rat.

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