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Medizinische Erste Hilfe (STCW A-VI/4-1): Untersuchung von Verletzten, Gefahren durch giftige Stoffe (MFAG) und der medizinische Leitfaden an Bord

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Giftgefahren: den MFAG nutzen

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Chemikalien schädigen über Lunge, Haut, Augen und Mund. Der MFAG gibt einen festen Ablauf vor: sicher retten, Symptome behandeln, dann die wenigen Sonderfälle prüfen.

Was der MFAG ist

Der MFAG (Leitfaden für medizinische Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Unfällen mit gefährlichen Gütern) ist ein Leitfaden von IMO, WHO und ILO im Ergänzungsband zum IMDG-Code. Er ergänzt den Internationalen medizinischen Leitfaden für Schiffe der WHO bei Chemikalienunfällen. Nutze ihn zusammen mit dem Sicherheitsdatenblatt (SDS) des Stoffes, dem EmS-Leitfaden (Unfallmerkblätter für Brände und Leckagen) und funkärztlicher Beratung. Rettung, Herz-Lungen-Wiederbelebung und Gasgefahren wie H₂S behandelt die Lektion Körperbau, Schock, Stromunfall und Verletztenrettung.

Aufnahmewege bei Vergiftungen

Ein Stoff gelangt durch Einatmen (Gas, Dampf, Rauch oder Staub), über die Haut (manche Stoffe durchdringen unverletzte Haut), über die Augen oder durch Verschlucken in den Körper, meist über schmutzige Hände, Essen oder Getränke. Folgen können sofort auftreten, etwa Verätzungen oder ein Kollaps, oder erst Stunden später, etwa Flüssigkeit in der Lunge nach einem Reizgas. Nimm jeden Kontakt mit giftigen oder ätzenden Stoffen ernst, bis der Betroffene vollständig erholt ist oder ein Arzt Entwarnung gibt.

Mit Sofortmaßnahmen beginnen

Der Leitfaden beginnt mit einem Ablaufschema mit Ja/Nein-Fragen. Rettung aus verunreinigter Atmosphäre? Tabelle 1. Atemstillstand? Tabellen 2 und 3. Bewusstlosigkeit? Tabelle 4. Krampfanfälle? Tabelle 5. Danach Augen, Haut, Einatmen und Verschlucken: Tabellen 7, 8, 9 und 10. Starke Schmerzen: Tabelle 13. Jede Tabelle enthält kurze Anweisungen; der zugehörige Anhang erklärt sie genauer.

Den Stoff bestimmen

Suche UN-Nummer und richtigen technischen Namen auf Etikett, Verpackung oder Gefahrgutmanifest. Der EmS-Code im IMDG-Code führt zu Unfallmerkblättern für Brände und Leckagen, nicht zu medizinischen Tabellen. Meist werden die Auswirkungen der Chemikalien behandelt. Nur wenige erfordern Sondermaßnahmen. Sie stehen nach UN-Nummer und Namen in Anhang 15: etwa Flusssäure (Tabelle 16), Organophosphat-Insektizide (Tabelle 17), Cyanide (Tabelle 18), Methanol und Ethylenglykol (Tabelle 19) sowie radioaktive Stoffe (Tabelle 20).

Dekontamination

Beachte die Schutzmaßnahmen im SDS und sichere Atemwege und Atmung. Dann folgt die Dekontamination, also das Entfernen der Schadstoffe. Ziehe verunreinigte Kleidung aus; bürste trockenes Pulver von der Haut. Spüle Augen sofort mit reichlich Wasser oder 0,9%iger Natriumchloridlösung aus einem Beutel, nie mit Seife oder Bürsten. MFAG-Tabelle 7 nennt 10 Minuten nach der Uhr; bei anhaltenden starken Schmerzen wiederholen. Tabelle 8 nennt mindestens 10 Minuten Spülen mit Wasser, ohne Neutralisationsmittel, danach weitere 10 Minuten mit Seife oder Shampoo und Wasser. Die Augen haben Vorrang. Verpacke Kleidung in Beuteln, fange Spülwasser auf und hole funkärztlichen Rat.

Beobachten und Rat holen

Viele Chemikalien wirken verzögert. Halte Menschen nach erheblicher Exposition oder mit Symptomen warm und ruhig, beobachte sie 48 Stunden engmaschig und hole funkärztlichen Rat. Oft ist Behandlung im Krankenhaus an Land nötig. Nenne dem Arzt die UN-Nummer und den Stoffnamen und übermittle das Sicherheitsdatenblatt.

2Wichtige Daten

MFAG
IMO/WHO/ILO-Leitfaden im Ergänzungsband zum IMDG-Code
Reihenfolge
Ablaufschema für Sofortmaßnahmen, dann Tabellen, dann Anhänge
Tabellen 7 / 8 / 9 / 10
Augen / Haut / Einatmen / Verschlucken
Besondere Stoffe
Anhang 15, nach UN-Nummer und Namen (z. B. Tabellen 16–20)
Spülen
Augen: 10 min Wasser oder Kochsalzlösung; Haut: 10 min Wasser, dann 10 min Seife
Nach erheblichem Kontakt
Ruhe, Wärme, 48 h beobachten, funkärztlicher Rat

3Kernpunkte

  1. 1

    Beginne immer beim Ablaufschema für Sofortmaßnahmen, danach folgen Tabellen und Anhänge.

  2. 2

    Meist werden die Auswirkungen behandelt; Anhang 15 nennt die wenigen Stoffe mit besonderen Tabellen.

  3. 3

    Der EmS-Code führt zu Unfallmerkblättern für Brände und Leckagen, nicht zur medizinischen Behandlung.

  4. 4

    Beobachte Betroffene nach erheblichem Kontakt 48 Stunden und hole funkärztlichen Rat.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Suche die MFAG-Tabellennummer in der Stoffliste des IMDG-Codes.

    Richtig: Aktuelle Ausgaben enthalten keine solche Nummer. Nutze das Ablaufschema und prüfe Anhang 15 anhand der UN-Nummer auf die wenigen Sonderfälle.

  • Falsch: Lass den Betroffenen eine verschluckte Chemikalie erbrechen.

    Richtig: Löse nie Erbrechen aus. Spüle den Mund; gib nur bei vollem Bewusstsein und sicherem Schlucken ein Glas Wasser. Hole funkärztlichen Rat.

  • Falsch: Wer sich nach dem Einatmen von Dämpfen gut fühlt, kann weiterarbeiten.

    Richtig: Reizgase können noch Stunden später zu Flüssigkeit in der Lunge führen. Ruhe, 48 Stunden Beobachtung und ärztlicher Rat sind nötig.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Ein Fass mit ätzender Flüssigkeit, UN 1760, läuft im Containerladeraum aus. Ein Besatzungsmitglied bekommt Spritzer ins Gesicht und auf die Unterarme. Es ist wach, hat Schmerzen und stark tränende Augen. Was tust du?

Antwort zeigen

Beachte die Schutzmaßnahmen im SDS und prüfe Atemwege und Atmung. Spüle zuerst die Augen bei offenen Lidern 10 Minuten nach der Uhr mit reichlich Wasser oder 0,9%iger Natriumchloridlösung. Entferne durchnässte Kleidung und spüle die Haut von oben nach unten mindestens 10 Minuten. Wasche sie danach weitere 10 Minuten mit Seife und Wasser; nie Seife in die Augen. Verpacke Kleidung in Beuteln und fange Spülwasser auf. Prüfe SDS und Anhang 15 auf besondere Stoffe. Hole funkärztlichen Rat.

Prüfungstipps

  • MFAG: IMO/WHO/ILO, im Ergänzungsband zum IMDG-Code; Ergänzung des IMGS für Chemikalienunfälle.
  • Drei Schritte: Ablaufschema für Sofortmaßnahmen, Tabellen, Anhänge.
  • Anhang 15 nennt die wenigen Stoffe mit Sonderbehandlung nach UN-Nummer und Namen.
  • Von oben nach unten dekontaminieren, Augen und Wunden zuerst; nie Erbrechen auslösen; 48 Stunden beobachten.

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