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Medizinische Erste Hilfe (STCW A-VI/4-1): Untersuchung von Verletzten, Gefahren durch giftige Stoffe (MFAG) und der medizinische Leitfaden an Bord

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Medizin an Bord≈ 3 Min. Lesezeit

Den medizinischen Leitfaden nutzen und ein funkärztliches Gespräch vorbereiten

1Die Lektion in einfachen Worten

In einem Satz

Der Leitfaden zeigt, worauf du achten und wie du behandeln sollst. Der Funkarzt entscheidet, was dieser Patient braucht. Gute Vorbereitung macht das Gespräch kurz und sicher.

Die Leitfäden an Bord

Schiffe führen den Internationalen medizinischen Leitfaden für Schiffe der WHO (IMGS), 3. Auflage (2007), oder eine nationale Entsprechung wie den britischen Ship Captain’s Medical Guide oder die spanische Guía sanitaria a bordo. Er richtet sich an Seeleute, die Erste Hilfe und medizinische Versorgung leisten. Sein Kapitel zur Bordapotheke führt Arzneimittel nach Wirkstoffnamen auf. Der WHO-Nachtrag zu den Mengenangaben (2010) nennt die Mengen. Der MFAG ergänzt ihn für Chemikalienunfälle.

Dich zurechtfinden

Lerne den Leitfaden kennen, bevor du ihn brauchst. Nutze Inhaltsverzeichnis und Register: die Erste-Hilfe-Kapitel bei Notfällen, das Kapitel zur Patientenuntersuchung, dann das jeweilige Krankheitsbild. Folge Querverweisen zu Maßnahmen wie Spritzengeben oder Pflege bettlägeriger Patienten und zur Arzneimittelliste. Markiere das medizinische Berichtsformular, den Beobachtungsbogen und die Arzneimittelliste, damit du sie in Sekunden aufschlagen kannst.

Vor dem Gespräch

Untersuche den Patienten und erhebe die Anamnese zuerst, außer im Notfall. Fülle das medizinische Berichtsformular des Leitfadens aus: Schiffsdaten, Position und nächster Hafen; Alter, Geschlecht und Gewicht des Patienten; Beschwerden, Vorgeschichte, Allergien und Medikamente; Befunde; Vitalzeichen mit Uhrzeiten und bisher verabreichte Mittel. Schlage die Arzneimittelliste auf und bereite Fotos von Wunden oder Ausschlägen vor, falls du sie senden kannst. Das Gespräch selbst behandelt Funkärztliche Beratung.

Während des Gesprächs

Lass den Offizier sprechen, der den Patienten untersucht hat, möglichst neben dem Patienten. Beschreibe deine Beobachtungen und Messwerte statt einer eigenen Diagnose. Benenne Arzneimittel genau nach der Liste: Wirkstoffname und Wirkstärke. Schreibe die Empfehlungen auf, lies sie zur Bestätigung vor und frage nach Überwachung und nächstem Anruf. Verschreibungspflichtige Medikamente gibst du nur auf funkärztlichen Rat.

Nach dem Gespräch

Halte alles im Behandlungsprotokoll fest: Uhrzeiten, Empfehlungen, wer was gegeben hat, Dosis, Verabreichungsweg und Reaktion des Patienten. Bewahre es vertraulich auf. Wiederhole Vitalzeichen nach Anweisung und rufe bei Verschlechterung frühzeitig erneut an. Informiere den Kapitän über jede Beratung. Gib dem Patienten eine Kopie des Protokolls mit.

2Wichtige Daten

IMGS
WHO, 3. Auflage 2007; Arzneimittelliste nach Wirkstoffnamen
Mengen
WHO-Nachtrag zu den Mengenangaben, 2010
Chemikalien-Ergänzung
MFAG im Ergänzungsband zum IMDG-Code
Vor dem Anruf
Untersuchung, Anamnese, Formular, Vitalzeichen mit Zeiten, Arzneimittelliste
Verschreibungspflichtige Mittel
Nur auf funkärztlichen Rat
Nach dem Anruf
Zur Bestätigung vorlesen, dokumentieren, überwachen, nächsten Anruf vereinbaren

3Kernpunkte

  1. 1

    Lerne den Aufbau des Leitfadens vor einem Notfall kennen; markiere Berichtsformular und Arzneimittelliste.

  2. 2

    Untersuche, erhebe die Anamnese und fülle das Formular vor einem nicht dringenden Anruf aus.

  3. 3

    Melde Beobachtungen und Messwerte; überlasse die Diagnose dem Arzt.

  4. 4

    Gib verschreibungspflichtige Medikamente nur auf funkärztlichen Rat und dokumentiere jede Dosis.

  5. 5

    Lies die Empfehlungen zur Bestätigung vor und vereinbare den nächsten Anruf.

4Häufige Fehler

  • Falsch: Rufe zuerst den Arzt an und untersuche den Patienten während des Gesprächs.

    Richtig: Außer im Notfall untersuchst du zuerst und füllst das Formular aus. Das Gespräch wird kürzer und klarer.

  • Falsch: Nenne dem Arzt den Markennamen auf der Packung.

    Richtig: Nutze Wirkstoffnamen und Wirkstärke aus der Arzneimittelliste, damit es keine Verwechslung gibt.

  • Falsch: Beginne Antibiotika nach Leitfaden, wenn eine Infektion wahrscheinlich scheint.

    Richtig: Der Leitfaden erklärt Arzneimittel. Verschreibungspflichtige Mittel gibst du aber nur auf funkärztlichen Rat.

5Praxisfall & Prüfungstipps

Situation

Nachts, 900 Seemeilen vom Hafen entfernt, hat der Bootsmann seit 10 Stunden Bauchschmerzen, jetzt am stärksten rechts unten. Dazu kommen 38,4 °C Fieber und Erbrechen. Seine Vitalzeichen sind stabil. Solltest du den Anruf aufschieben, bis das Formular fertig ist?

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Hole zügig funkärztlichen Rat. Stabile Vitalzeichen machen Aufschieben hier nicht sicher. Während ein Kollege das Formular vorbereitet, meldest du Schmerzverlauf, Fieber, Erbrechen, Flüssigkeitsaufnahme und Ausscheidung, Allergien, Medikamente und Vitalzeichen mit Uhrzeiten. Halte die Arzneimittelliste bereit. Lies Empfehlungen zur Bestätigung vor und vereinbare Überwachung und nächsten Anruf.

Prüfungstipps

  • IMGS, 3. Auflage (2007), mit Nachtrag zu den Mengenangaben von 2010 oder nationale Entsprechung.
  • Vor nicht dringendem Anruf: Untersuchung, Anamnese, Berichtsformular, Vitalzeichen mit Uhrzeiten, Arzneimittelliste.
  • Befunde melden, Wirkstoffnamen nutzen, Empfehlungen zur Bestätigung vorlesen, nächsten Anruf vereinbaren.
  • Verschreibungspflichtige Medikamente nur auf funkärztlichen Rat; jede Dosis dokumentieren.

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